14 Letzter Wunsch


14 Letzter Wunsch

Artikel-Nr.: a0004-14
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Heinrich Andreas Kellner – Lieder

Letzter Wunsch
(Johann Gaudenz von Salis-Seewis, 1762-1834
nach „Hoc erat in votis“ Hor.)
 
Wann, o Schicksal! wann wird endlich
Mir mein letzter Wunsch gewährt?
Nur ein Hüttchen still und ländlich,
Nur ein kleiner eigner Herd;
Und ein Freund, bewährt und weise,
Freiheit, Heiterkeit, und Ruh’!
Ach und Sie! das seufz’ ich leise,
Zur Gefährtin Sie dazu.
 
Wenn ich noch ein Gärtchen hätte,
Bauten wir’s mit eigner Hand
Statt geschorener Boskette
Und der Hagenbuchenwand,
Dämmert uns ein Dach von Latten,
Dicht mit Rebengrün bedeckt,
Tief im Silbertannen-Schatten
Vor des Neides Blick versteckt.

Statt Kanäl’ und Gartenteiche,
Nur ein Röhrenbrunnentrog;
Statt Alleen und Taxussträuche,
Früchte, die ich selbst erzog;
Durch ein Gatter, nur von Pfählen,
Durch den Vorhof, eng und klein,
Eilt’ ich, statt nach Marmorsälen,
In ihr trautes Kämmerlein.

Bei des heitern Morgens Frische
Hörten wir im Buchenhain,
Dort am Wasser, im Gebüsche,
Nachtigallen-Melodein.
Auch begänne sie Gesänge,
Wäre Philomel’ entflohn,
Und in meine Seele dränge
Tiefer noch ihr süßer Ton.

Unterm Strauch voll Hagerosen
Auf dem rothbeblümten Klee,
Könnten wir so traulich kosen,
Wie auf seid’nem Kanapee.
In dem Duft entblühter Bohnen,
Unter Pappeln, hoch und schlank,
Bauten wir, trotz goldnen Thronen,
Eine kleine Bretterbank.

Beeren, die ihr Finger drückte,
Honig, der der Wab’ entfloß,
Kräuter, die vom Beet’ sie pflückte,
Milch, die sie in Schalen goss:
Ha! bei solchem Göttermahle
Säßen wir, wie froh, wie stolz!
Wär’ auch Löffel, Kelch und Schale,
Nur aus weißem Buchenholz.

Mit den holden Dörferinnen,
Nach der Weidenpfeife Schall,
Einen Maientanz beginnen,
Gält’ uns mehr als Maskenball.
Lieber, als der Prunk der Bühnen
Dem verwöhnten Städterschwarm,
Wär’ ein Pfänderspiel im Grünen
Mir an meines Mädchens Arm.
 
In gestirnten Sommernächten,
Wenn der Mond die Schatten hellt,
Wollte sie an meiner Rechten,
Durch das thaubeträufte Feld.
Oft zum mildern Abendsterne
Hüb’ ich den entzückten Blick;
Öfter senkt’ ich ihn, wie gerne!
Auf ihr blaues Aug’ zurück.

Vieles wünscht’ ich sonst vergebens!
Jetzo nur zum letztenmal,
Für den Abend meines Lebens
Irgendwo ein Friedensthal,
Edle Muß’ in eigner Wohnung,
Und ein Weib voll Zärtlichkeit,
Das, der Treue zur Belohnung,
Auf mein Grab ein Veilchen streut.
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